Morgens mit einem guten Tee starten …

16. März 2016 | Von | Kategorie: Kulinarisches

Morgens mit einem guten Tee in den Tag starten – Die „Ostfriesische Teezeremonie“

Die „Ostfriesische Teezeremonie“

Zum Ostfriesentee:

Die Ostfriesen sind als große Teeliebhaber bekannt. Für die richtige „ostfriesische Teezeremonie“ bevorzugen sie den sogenannten Ostfriesentee, eine kräftige Assam-Teemischung mit malzartigem Charakter. Es kommen Ceylon,- Java- und Darjeeling Sorten hinzu. Insgesamt werden zwischen 10 und 20 unterschiedliche Teesorten von speziellen Teemischern mit guten Nasen und ausgebildetem Geschmack ausgesucht und gemischt. Der Ostfriesentee zeichnet sich durch eine kupferrotbraune Teetasse (Farbe) und einem kräftigen, herb-aromatisieren Geschmack aus. Der Ostfriesentee ist nicht bitter.

Die Teezeit („Teetied“):

Die Ostfriesische Teezeremonie spielt bis heute eine sehr große Rolle bei ostfriesischen Familien. Es gibt verschiedene Teezeiten, die Hauptzeit ist der Nachmittagstee um 15 Uhr. Aber auch früh morgens trinkt man Ostfriesentee und besonders um 11 Uhr (Elfürtje).

Zudem trinkt der Ostfriese auch noch öfter Tee, wie nach dem Aufstehen, 10 oder 11 Uhr mittags, am Nachmittag und abends. 5 x täglich ist gar kein Problem, manchmal öfter.

Die Zubereitung:

Zuerst spült man die Teekanne heiß aus. Benutzen Sie nach Möglichkeit auch ein Tüllensieb (Teebesen) oder ein Teesieb, so dass der Tee in der Kanne bleibt. Wichtig ist, dass der Tee lose in die Kanne gegeben wird, damit dieser noch frei schwimmen kann.

Pro Person rechnet man ca. 1 Teelöffel Ostfriesentee zuzüglich einen Teelöffel für die Kanne. Der Tee wird nun mit kochend heißem Wasser aufgegossen, bis alles gerade bedeckt ist. Lassen Sie den Tee nun ca. 6 min ziehen, nun wird er mit entsprechend der gewünschten Tassenzahl kochendem Wasser aufgefüllt und auf ein Stövchen gestellt.

Die Ostfriesische Teezeremonie:

Geben Sie ein Stück Kluntje (weisser Kandis) oder einen Kandisstick in die Tasse und schenken Sie nun den heißen Ostfriesentee hinzu. Nenn nur mit heißem Tee hört man, wie der Kandis anfängt zu knistern. Nun gibt man mit einem Rahmlöffel/Sahnelöffel oder Teemaßlöffel einen Löffel Sahne vorsichtig am Rand der Tasse hinzu. Nun entsteht die berühmte „Teewolke oder Sahnewolke“ siehe Foto. Ursprünglich wurde in Ostfriesland anstatt Sahne Rahm für den Tee verwendet. Der Tee wird nun traditionell ohne Umrühren getrunken. So kann man erst das leicht herbe Tee Aroma vom Tassenrand, dann den milchigen Sahnegeschmack der Tassenmitte bis zum Schluss den mit Kandis gezuckerten Tee auf dem Tassengrund genießen.

Ostfriesentee (1)

Ostfriesentee (2)

 

 

 

 

 

Was wird genau benötigt:

  • Teekanne
  • Stövchen
  • Tüllensieb, Teebesen oder Teefilter
  • Kleine ostfriesische Teetassen mit Teelöffel
  • Ostfriesentee Mischung
  • Kluntje/ Kandissticks
  • Sahne/ Rahm
  • Sahnelöffel/ Rahmlöffel
  • Teegebäck

 

Wissenswertes:

In Ostfriesland sind drei Teetassen in einer Teerunde ein Mindestmaß, denn dreimal ist Ostfriesenrecht (Dree is Oostfresen Recht). Wer vorher ablehnt, wird als unhöflich oder beleidigend gesehen. Wer es richtig macht, legt den Löffel nach dem Teegenuß in die Tasse und signalisiert so, dass er genug Ostfriesentee getrunken hat und keine weitere Tasse mehr möchte. Im Jahr 2008 trank jeder Ostfriese im Durchschnitt 290 Liter Tee. Das entspricht dem Zwölffachen des deutschen Durchschnittsverbrauchs an Tee.

Die ostfriesische Teezeremonie und der Blaudruck sollen nach dem Willen des Landes Niedersachsen Teil des Weltkulturerbes werden. Diese erklärte Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) am in Hannover. „Die ostfriesische Teekultur und der Blaudruck sind zwei Traditionen, die weit über die Landesgrenzen hinaus mit Niedersachsen verbunden sind“, sagte die Ministerin.

Das Land schlägt nun die Aufnahme in das nationale Verzeichnis immaterieller Kulturgüter vor. Nun wird im Laufe des Jahres eine Unesco-Kommission die Aufnahme prüfen. Bestehen die Vorschläge die Prüfung, rücken die Vorschläge in die internationale Liste vor und gehören damit offiziell zum kulturellen Welterbe der Menschheit. Dafür gibt es zwar keine direkte Förderung, aber die Auszeichnung gilt als gute Werbung.

Der ostfriesische Umgang mit dem Ostfriesentee ist aus Sicht des Ministeriums eine eigenständige Kultur mit eigenen Mischungen, eigenem Tee-Geschirr und eigenen Ritualen. Der Blaudruck, bei dem weiße Stoffe mit Indigo-Farben gefärbt und weiß bleibende Stellen mit einem „Papp“ abgedeckt werden, hatte seine Blütezeit im 18. Jahrhundert.

N.H.-08.05.2016

 

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